Stellwände werden erneuert

Lagerarbeiten

Jedes Mal treffen wir uns am Donnerstag vor der Demo um alles zum Transport zu verladen.

Jedes Mal sind wir zu wenig Leute.

Jedes Mal wird etwas vergessen.

Und es klappt doch!!

Neu!

In diesem Jahr wurde erstmals hinterher gegrillt:
Außentemperatur 6 Grad
Grilltemperatur 180 Grad
Würstchen  lau

Manchmal wird auch eine Nachtschicht eingelegt

Und dann ging sie los, die 30ste!

Predigt 2017

Die Sonne scheint. Es duftet nach Rasenschnitt. Die Vorgärten sind aus dem Winterschlaf erwacht. In den Garageneinfahrten knien anbetend Familienväter vor ihren Pampersbombern und wienern ihn auf Hochglanz. Vogelgezwitscher liegt in der Luft. Und gekrönt wird diese Frühlingsidylle vom satten Blubbern einer gemächlich dahin rollenden Gummikuh.

Herrlich. Endlich wieder fahren. Die öde Zeit, in der die Motorradsehnsucht nur durch Kauf und ständig wiederholtes Lesen auch der unbedeutendsten Motorradzeitungen zu bekämpfen war, ist vorbei. Schluss mit Träumen. Jetzt wird wieder gefahren.

Das Quietschen der Bremsen erinnert an die lange Standzeit. Na, die Reaktionszeit hat doch etwas gelitten im Winter. Grade noch ist Wumm zum Stehen gekommen, gemütlich tuckert nun auf der Vorstadtstraße ein Aufsitzrasenmäher vor ihm her, der eben noch auf der benachbarten Rasenfläche seinen Dienst getan hatte.

So was gehört doch nicht auf die Straße. Wumms Blutdruck erhöht sich deutlich.

Ein Dreh am Gasgriff, und schwupp ist er vorbei an diesem Hobbygärtner.

Verdammt, das war knapp. Kommt da doch genau im falschen Moment so ein topgepflegter lindgrüner Rentner Strich/Acht von vorn, wahrscheinlich mit Reserveklorolle auf der Hutablage, aber echt flott gefahren. Dabei ist hier doch Zone 30, hier wohnen Familien mit Kindern, hier muss man vorsichtig fahren.

Äh, ja, Wumm drosselt sein Tempo, das sich durch das Überholmanöver doch deutlich gesteigert hatte. Gut, jetzt ist die Bundesstraße erreicht, bald liegt das Ortsschild hinter ihm, in geordneter Kolonne geht es ab Richtung Elm.

Irgendwo da vorn muss wohl ein Trecker die Schlange anführen, das Tempo pendelt sich bei 35 ein.

Da, ein kurzes Aufheulen eines Motors, etwas Rotes schießt an Wumm und der Kolonne vorbei, war das ne Ducati oder was? Schon nicht mehr zu sehen, der hat ja mächtig Schwein gehabt, das da genug Platz für ihn war.

Hoffentlich treffe ich den nicht gleich wieder am Straßenrand als modernes Kunstwerk zusammengefaltet, denkt Wumm gerade, da beginnt sein Hintermann genervt zu hupen.

Ja was soll das denn, sollen wir uns hier alle in Luft auflösen? Die gute Laune ist dahin, genervt trommelt Wumm mit den Fingern der echten Hand auf dem Ausgleichsbehälter für die Bremsflüssigkeit herum, Standgas reicht. Jetzt wieder, ein paar Fahrzeuge vor ihm schert ein BMW aus und versucht ein ähnliches Harakirimanöver. Nur mit weniger Erfolg, Bremsen kreischen, irgendwas scheppert da vorn, war wohl nicht ganz so schlimm, aber nun steht natürlich alles.

Der silberne Vertreterkombi vor Wumm reagiert als erster, einen Meter zurück, dann scharf eingeschlagen auf die freie Gegenfahrbahn, gegen lenken, das Manöver wiederholt, und ab in die Freiheit oder wohin er auch immer will. Das ist mit dem Mopped natürlich leichter, Wumm nimmt die Verfolgung auf, endlich wieder Fahrtwind, und ab auf die nächste Nebenstraße.

Fahren, Beschleunigung spüren, in Kurven tauchen und wieder daraus herausspurten - Motorräder sind schließlich zum Fahren gebaut und nicht als Schlafsessel. Langsam kommt Wumm wieder zur Ruhe.

Am Waldrand stehen mehrere Moppeds auf dem unbefestigten Seitenstreifen, Köpfe sind im Graben zu erkennen, ist da was passiert? Wumm geht in die Eisen. Er rollt an den Maschinen vorbei, kann aber nicht genau erkennen, was da neben der Straße los ist.

Also abstellen, runter vom Bock und mal schauen.

Ne, da liegt keine Maschine im Graben, wohl doch nix passiert. Einen junge Frau hat eine Blumenschale dabei, ein mächtiger Kerl gräbt gerade – ja, er will dort tatsächlich ein Kreuz einpflanzen.

Offensichtlich also doch was passiert, nur eben nicht gerade jetzt. Einer der Biker hat Wumm wahrgenommen und fühlt sich von dessen fragendem Blick zu einer kurzen Erklärung genötigt:

Vor drei Wochen, der erste nicht mehr ganz so kalte Tag, Benno musste ausprobieren, ob seine Winterschrauberei sich auch gelohnt hatte.

Die Maschine lief prima, aber da war im falschen Moment an der falschen Stelle noch einer unterwegs, bei dem wohl gar nichts mehr gut lief.

Ca 150 Sachen muss er wohl drauf gehabt haben, meinte die Polizei, da brauchte er zum Hüpfen über diese schmale holprige Landstraße für seinen Geländeboliden eben mehr als eine Fahrspur. Er hat Benno voll mit dem Bullenfänger-Frontschutzbügel erwischt. Benno hatte keine Chance. Bei der Ankunft des Rettungswagens im Krankenhaus war für ihn schon alles vorbei.

Und warum? Weil diesem Idioten die Frau weggelaufen war, die wusste wahrscheinlich besser als er, was sie tat, und da hat er mehr als einen hinter die Binde gekippt und dann seine Wut auf der Straße ausgelebt. Das polizeilich zugelassene Werkzeug dazu hatte er ja.

Lass gut sein, Markus, sagt ein Mädchen in rotem Leder von der Seite, der Kerl wird seines Lebens nicht mehr froh und Benno wird von deinem Hass auch nicht wieder lebendig.

Kanntest du Benno? Fragt jetzt ein dritter. Wumm schüttelt den Kopf.

Ich habe nur eure Karawane hier im Graben gesehen und mir schon Sorgen gemacht … Wumm beißt sich auf die Lippe. Blöder Spruch jetzt.

Ihr stellt ein Kreuz auf an der Stelle, wo Benno gelegen hat? fragt Wumm.

Ja, Meike war seine Freundin, und sie will zur Erinnerung eine andere Stelle als das Familiengrab auf dem Hauptfriedhof haben.

Jetzt ergriff eine Kleine in schwarzer Kombi das Wort: Die Familie will meine Blumen dort nicht dulden. Für die ist das Motorradfahren an allem Schuld, und mit mir reden die kein Wort mehr. Dabei war Benno doch ein ruhiger und sicherer Fahrer. Bei ihm hinten drauf hatte ich nie Angst. Und er hatte doch auch gar keine Schuld. Wenn er zur gleichen Zeit hier mit seinem altersschwachen Golf lang gekommen wäre, hätte es genauso geknallt.

Jetzt hat der Hüne das Kreuz verankert. Und dreht sich um.

Er hat zur Arbeit die Jacke ausgezogen, seine Tattoos auf den Oberarmen sind zu sehen.

Vergesst nicht, wir hatten uns was vorgenommen. Seine tiefe Stimme wirkt irgendwie beruhigend.

Meike erklärt Wumm:

Benno gehört immer noch zu uns. Wir glauben alle irgendwie, dass er noch bei uns ist, uns sieht und begleitet, auch wenn wir ihn nicht mehr sehen. In Erinnerung an ihn wollen wir uns hier ein Versprechen geben. Komme, was da wolle, wir wollen unsere Aggressionen nie mit unseren Moppeds ausleben. So gut fährt kein Mensch, dass er in seiner Wut nicht zur Gefahr für sich und andere werden kann.

Die im roten Leder meint: Das sichert uns nicht vor durchgeknallten Typen wie diesen Rowdy hier. Aber je mehr Leute das einsehen, um so weniger wird passieren. Und irgendjemand muss einfach anfangen. Bei dem, war wir hier erlebt haben, können wir nicht darauf warten, dass alles von alleine wieder gut wird.

Ich will meinem Schutzengel jedenfalls nicht das Leben schwerer als nötig machen, sagt Meike. Und ich will auch nicht zur Gefahr für andere werden.

Wir haben uns alle gegenseitig erlaubt, uns den Zündschlüssel wegzunehmen, wenn wir aggressiv werden, uns aufregen oder was getrunken haben. Wir wollen aufeinander acht geben.

Ja, meldet sich der Hüne mit der tiefen Stimme wieder, unsere Stärke ist unsere Gemeinschaft. So müssten eigentlich alle Menschen denken.

Einer trage des anderen Last, so erfüllt ihr den Willen Jesu, den Spruch aus der Bibel hatte ich mir schon zur Konfirmation ausgesucht.

Das hatte mich an Jesus begeistert: Das er sich immer für alle einsetzte, schließlich mit seinem ganzen Leben.

Ich bin vielleicht nicht besonders fromm und ganz sicher bin ich nicht fehlerfrei. Aber was Gott mir an Möglichkeiten gegeben hat, das will ich nutzen. Den Rest kann ich dann getrost Gott überlassen.

Ja, einer trage des andern Last. Ohne Benno jetzt merke ich, wie mir das hilft. Meike setzt mit diesen Worten ihre Blumenschale vor dem Kreuz nieder.

Freunde, lasst uns das mitnehmen in unser Leben und auch in den Straßenverkehr: Einer trage des andern Last.

So bringen wir wenigstens ein bisschen Frieden auf die Straße.

Amen